An dieser Stelle wollen wir Sie auf tagesaktuelle Nachrichten aus dem breiten Feld der Gendermedizin aufmerksam machen.

Deutsches Ärzteblatt online 07. Juli 2021

Bielefeld – Die große Mehrzahl der laufenden klinischen SARS-CoV-2- und COVID-19-Studien bezieht Geschlechtsunterschiede bei den Studienteilnehmern zu wenig oder gar nicht ein. Das berichtet ein inter­nationales Forscherteam der Universität Bielefeld, des Radboud University Medical Center sowie der Universitäten Aarhus und Kopenhagen in der Fachzeitschrift Nature Communications. Die Forscherinnen und Forscher werteten dafür in einer Metaanalyse fast 4.500 klinischen Studien aus.

„Frauen und Männer sind von einer Coronaerkrankung unterschiedlich betroffen“, betont das Wissen­schaftlerteam. So seien bei Männern schwere Krankheitsverläufe häufiger, sie müssten häufiger stationär betreut werden und stürben häufiger an der Erkrankung. Außerdem bestehe ein Zusammenhang zwischen der sozialen Geschlechterrolle und der Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Virus anzustecken.

Dementsprechend steige das Ansteckungsrisiko von Frauen, weil sie häufiger als Pflegekräfte tätig seien und in Berufen mit viel Kundenkontakt arbeiteten. „Das zeigt: Gender und Geschlecht müssen in klini­schen Studien und in der Gesundheitspolitik berücksichtigt werden“, sagt die Letztautorin der Studie, Sabine Oertelt-Prigione von der Medizinischen Fakultät Ostwestfalen-Lippe an der Universität Bielefeld.

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Deutsches Ärzteblatt online 12. März 2021

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) untersuchen geschlechtsspezifische Einflüsse auf Immunkrankheiten, Infektionen und Tumoren. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Vorha­ben der Forschungsgruppe „Geschlechtsspezifische Unterschiede in Immunantworten“ mit 4,5 Millionen Euro.

Die systematische Einbeziehung geschlechtsspezifischer Faktoren könnte künftig einen wichtigen Bei­trag für neue Behandlungsstrate­gien von Infektionen und immunvermittelten Erkrankungen leisten.

Laut den Wissenschaftlern ist bereits bekannt, dass Frauen und Männer sich in ihren Immunantworten unterscheiden: Frauen entwickelten beispielsweise eine bessere Abwehr gegen Krankheitserreger, die zu einer schnelleren Bekämpfung von Infektionen führen könne.

Ebenso entwickelten sie eine stärkere Immunantwort nach Impfungen als Männer und zeigten deutliche­re Immunreaktionen gegen einige bösartige Tumorarten.

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Deutsches Ärzteblatt online 06. Juli 2021

Coronaimpfungen für stillende Frauen mit mRNA-Impfstoffen sind nach Einschät­zung von US-Experten in Hinblick auf die Muttermilch unproblematisch. Wegen der Immunisierung soll­ten Mütter nicht aufhören zu stillen, schreibt ein Team um Stephanie Gaw von der University of California San Francisco im Fachblatt JAMA Pediatrics.

In 13 untersuchten Muttermilchproben von sieben geimpften Frauen sei keine mRNA aus dem Impfstoff nachweisbar gewe­sen. 5 Probandinnen hatten den mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer und zwei den von Moderna erhalten. Die untersuchten Proben wurden vor der Impfung sowie zwischen vier und 48 Stun­den danach entnom­m­­en.

Die Ergebnisse seien wichtige frühe Hinweise, dass die mRNA aus den Impfstoffen nicht auf den Säug­ling übertragen werde, schreibt das Autorenteam. Es weist als Einschränkung jedoch auf die geringe Zahl an Studienteilnehmerinnen hin.

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Deutsches Ärzteblatt 21. Juli 2021

Die Zurückhaltung vieler Schwangerer gegenüber einer Grippeimpfung, mit der sie sich und ihr Kind vor den Komplikationen einer Influenza schützen können, hat kanadische Pädiater veranlasst, nach möglichen Auswirkungen der Impfung auf die Entwicklung der Kinder in den ersten Lebensjahren zu suchen. Die Ergebnisse ihrer bevölkerungsweiten Studie wurden im amerikanischen Ärzteblatt veröffentlicht.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation rät seit 2012, Schwangere bei der jährlichen Grippeimpfung zu priorisieren. Der Grund ist nicht nur das erhöhte Komplikationsrisiko, das sich beispielsweise in einer fast 7-fach erhöhten Rate von Hospitalisierungen (Krankenhauseinweisungen) im Fall einer Grippe zeigt. Die Mütter schützen durch die Antikörper, die die Impfung erzeugt, auch ihre Kinder vor der Geburt und in den ersten Monaten danach, wenn die Säuglingen noch nicht geimpft werden können.

Die Analyse zu 28.255 Kindern in Kanada ergab, dass die Impfung keinen Einfluss auf immunologische Erkran­kungen wie Asthma in den ersten 2,0 bis 5,5 Lebensjahren der Kinder hatten. Auch eine Otitis media (Mittelohrentzündung) oder andere Infektionen traten nicht häufiger auf. Erkrankungen ohne Beteiligung des Immunsystems wie Krebserkrankungen oder Hör- oder Sehbeeinträchtigungen waren in beiden Gruppen ebenfalls gleich häufig. Die Kinder von Müttern, die sich in der Schwangerschaft impfen ließen, mussten auch nicht öfter wegen Notfällen oder im Krankenhaus behandelt werden.

Die Ergebnisse bestätigen frühere Untersuchungen aus Skandinavien, wo registerübergreifende Untersuchungen ebenfalls leicht möglich sind. Eine Studie aus Dänemark hatte nach der Impfung von Schwangeren gegen die Influenza A (H1N1) die sogenannte „Schweinegrippe“ keinen Anstieg von Asthmaerkrankungen bei den Kindern gefunden. In Schweden war nach dieser umstrittenen Impfung auch der befürchtete Anstieg von Autismuserkrankungen ausgeblieben . © rme/aerzteblatt.de