„Covid 19-Impfung, Erfahrungen zu frauenspezifischen Auswirkungen: Impfungen und Schwangerschaft“

„Covid 19-Impfung, Erfahrungen zu frauenspezifischen Auswirkungen: Impfungen und Schwangerschaft“

Referent Dr. med. Martin Gehlen, Chefarzt der Abteilung für Rheumatologie und Osteologie in der Klinik „Der Fürstenhof“ in Bad Pyrmont

Themen des Impulsvortrages:

Was ist eine Impfung?

Das Prinzip der körpereigenen Abwehr nutzt die Medizin bei einer Impfung: Denn der Impfstoff enthält abgeschwächte Krankheitserreger, gegen die das Immunsystem entsprechende Abwehrstoffe bildet. Kommt es später zu einem tatsächlichen Kontakt mit dem Krankheitserreger, kann der Körper die eigene Abwehr schneller ankurbeln.

Muss ich mich zwei Mal impfen lassen?

Die aktuell zugelassenen Impfstoffe der Firmen Moderna, BioNTech/Pfizer und AstraZeneca werden in zwei Dosen verimpft, um sicherzugehen, dass eine vollständige Immunität gegen das Virus erreicht wird. Der von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung variiert dabei.
Wichtig ist:Nur wer eine Zweitimpfung bekommen hat, gilt als vollständig geschützt. Grund dafür ist das immunologische Gedächtnis: Nach der Verabreichung einer zweiten Impfstoffdosis "erinnert" sich das Immunsystem an einen vorherigen Kontakt mit dem Coronavirus und reagiert entsprechend abwehrend mit Immungedächtniszellen und einer Bildung von Antikörpern. Der Schutz vor einer Infektion mit dem Virus (und seiner Varianten) oder auch vor einer schweren COVID-19-Erkrankung ist nach einer Zweitimpfung somit deutlich höher.

Wann ist eine Auffrischimpfung sinnvoll?

Für die COVID-19-Impfstoffe liegen aktuell noch keine Daten vor, ob und ggf. in welchem Zeitabstand eine Auffrischimpfung notwendig sein wird. Die Beantwortung dieser Frage hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Dauer des Impfschutzes nach primärer Impfserie, der Wirkweise des Impfstoffs, möglicher Immunitätsentwicklung gegen Impfstoffkomponenten oder der Wirksamkeit gegen neue Virusmutationen. Bei vielen Standard- oder Indikationsimpfungen ist empfohlen, nach einem bestimmten Zeitintervall eine Auffrischimpfung zum Erhalt des Impfschutzes durchzuführen.

Was sagt ein Antikörpertest nach einer Impfung aus?

Die Antikörper, die nach einer Impfung produziert werden, unterscheiden sich im Prinzip nicht von denen, die nach einer Infektion gebildet werden. Ein Antikörpertest sollte also in beiden Fällen ein positives Ergebnis liefern und kann je nach Test in der Regel nicht zwischen Impfung und Infektion unterscheiden. Sollte es, aus welchem Grund auch immer, notwendig sein, den Impferfolg zu messen, dann kann die Antikörperkonzentration im Labor gemessen werden.
STIKO und das RKI sprechen sich derzeit gegen eine generelle Überprüfung der Antikörperkonzentration aus. Problem ist, dass man derzeit nicht genau sagen kann, wie hoch der Wert sein muss, um vollständig immun zu sein.

Wann muss ich mich impfen lassen, wenn ich Corona hatte?

Die Corona-Impfstoffe werden verabreicht, um die Immunabwehr des Körpers zu aktivieren und somit Antikörper gegen Sars-CoV-2 zu bilden. Der gleiche Vorgang geschieht auch bei einer Covid-19-Infektion und viele Erkrankte bilden eine Immunantwort gegen das Virus – allerdings variiert diese Immunantwort je nach Krankheitsverlauf und Immunsystem.
Auch die Betrachtung der Studienlage zeigt, dass es keine eindeutigen Antworten zur Immunitätsdauer gibt. Einige Untersuchungen stellten fest, dass bei Patienten mit milden Verläufen schon nach drei bis sieben Wochen keine Antikörper im Blut nachweisbar waren. Hingegen konnten andere Studien von einer stabilen Immunantwort von etwa sechs Monaten ausgehen.

Wie zuverlässig sind die unterschiedlichen Corona-Tests?

Wer sich testen lassen muss, weil er möglicherweise infiziert sein könnte, muss in der Regel zum PCR-Test. Mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) wird das Erbmaterial des Virus so stark vervielfältigt, dass es im Labor nachgewiesen werden kann - selbst wenn es nur in geringen Mengen vorkommt. Für den Abstrich ist Material aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum erforderlich, da sich das Virus dort vermehrt.
Der PCR-Test gilt als zuverlässigster Test, da er von medizinischem Personal fachgerecht durchgeführt und anschließend in einem Labor ausgewertet wird.
Auch die Antigen-Schnelltests gelten als relativ zuverlässig, da auch hier geschultes Personal den Test durchführt. Damit ein Antigen-Test ein positives Ergebnis anzeigt, ist im Vergleich zur PCR-Testung aber eine größere Virusmenge notwendig, da er eine niedrigere Sensitivität hat. Das bedeutet, dass ein negatives Antigen-Testergebnis die Möglichkeit einer Infektion nicht ausschließt.

Welche Nebenwirkungen der Impfungen können auftreten?

Es kann sein, muss aber nicht, dass der Körper nach einer Impfung mit einem der vier Wirkstoffe beispielsweise mit erhöhter Temperatur oder Schmerzen an der Einstichstelle reagiert. Diese Impfreaktionen sind ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem sich mit dem Impfstoff auseinandersetzt.
Studien zufolge können die beobachteten Reaktionen nach einer Impfung gegen Covid-19 etwa Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Muskelschmerzen und Schüttelfrost sein, zuweilen auch Fieber. Sie treten üblicherweise kurz nach der Impfung auf und dauern wenige Tage.

Haben Frauen häufiger Nebenwirkungen nach der Corona-Schutzimpfung?

Die Immunantwort scheint bei Frauen stärker zu sein – ein Phänomen, das bereits von anderen Impfstoffen bekannt ist (z. B. bei Influenza- oder Masern-Impfungen). Fachleute führen dies einerseits auf die weiblichen Hormone zurück, die das Immunsystem stimulieren können.
Andererseits können auch die Gene eine Rolle spielen – in diesem Fall das X-Chromosom, auf dem sich viele Immunitätsgene befinden. Frauen haben zwei davon und somit doppelt so viele wie Männer, die ein X-Chromosom und ein Y-Chromosom haben.

Hirnvenen-Thrombose nach Corona Impfung, woran erkenne ich das?

Beim Impfstoff von AstraZeneca oder Johnson&Johnson sind in sehr seltenen Fällen vier bis 16 Tage nach der Impfung Blutgerinnsel (Thrombosen) aufgetreten. Dabei handelte es sich beispielsweise um Hirnvenenthrombosen (sogenannte Sinusvenenthrombosen), aber auch um Lungenembolien. Vor allem Frauen unter 55 Jahren hat diese Nebenwirkung getroffen. Ein Symptom, das auf eine solche Thrombose hindeuten kann, sind anhaltende starke Kopfschmerzen. Wer vor kurzem geimpft wurde und leichte bis moderate Kopfschmerzen hat, braucht sich in der Regel aber keine Sorgen zu machen. Feststellen lässt sich eine CSVT durch ein bildgebendes Verfahren wie ein MRT oder CT des Kopfes sowie bestimmte Laborwerte.

Schützen die Impfstoffe auch gegen die Corona Mutationen?

Aktuell hält uns Delta-Variante des Coronavirus in Schach. Mit Mutationen sichern Viren ihr eigenes Überleben. Dazu genügen schon winzige Veränderungen im Spike-Protein des Virus. Bislang haben die Mutationen das Coronavirus SARS-CoV-2 jeweils noch ansteckender gemacht: So gilt die Delta-Variante vor allem aufgrund ihrer hohen Viruslast als deutlich ansteckender als die zuvor dominierenden Varianten.
Grundsätzlich bieten alle bereits zugelassenen Impfstoffe einen Schutz gegen die als besorgniserregend eingestuften Mutanten. Allerdings muss man dafür voll geimpft sein – wer lediglich eine von zwei Impfungen bekommen hat ist weniger gut geschützt.

Soll ich mein Kind impfen lassen?

Die STIKO empfiehlt eine COVID-19-Impfung mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty (BioNTech/Pfizer) als Indikationsimpfung für Kinder und Jugendliche im Alter von 12-17 Jahren, die aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung haben.
Zusätzlich zu den Kindern und Jugendlichen mit Vorerkrankungen wird die Impfung Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren empfohlen, in deren Umfeld sich Angehörige oder andere Kontaktpersonen mit hoher Gefährdung für einen schweren COVID-19-Verlauf befinden, die selbst nicht geimpft werden können oder bei denen der begründete Verdacht auf einen nicht ausreichenden Schutz nach Impfung besteht.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Impfung auf das ungeborene Baby?

Einer US-Studie zufolge geben schwangere Frauen nach einer Corona-Impfung die gebildeten Antikörper an ihr Baby weiter. Später könne es diese auch über die Muttermilch bekommen. Gestillte Neugeborene seien somit durch eine Nestimmunität geschützt.

Schwangere und Corona-Impfung

In Deutschland gilt momentan: Eine Impfung wird Schwangeren bislang nur in Einzelfällen angeboten, wenn sie an Vorerkrankungen leiden und ein sich daraus ergebendes hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Oder sie haben ein erhöhtes Risiko, dem Virus aufgrund der Lebensumstände ausgesetzt zu sein. Dann könne ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel "nach Risiko-Nutzen-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung" eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff angeboten werden, so die StiKo (Ständige Impfkommission).

Corona-Impfung in der Stillzeit

"Stillende Mütter können sich gegen das Coronavirus impfen lassen. Es ist nicht zu erwarten, dass mRNA-Impfstoffe oder Bestandteile desselben in die Muttermilch übergehen", so eine  Medizinerin. Bei mRNA-Impfstoffen handelt es sich um Vakzine der Firmen Biontech/Pfizer und Moderna. Dies wird derzeit auch durch Studien bestätigt.
"Auch bei Vektorimpfstoffen ist kein Risiko zu erwarten. Es sollte daher auch bei einer Impfung nicht abgestillt werden." Zu den Vektorimpfstoffen zählen Vakzine von AstraZeneca und Johnson&Johnson.

Coronavirus und Morbus Bechterew

Alle zugelassenen Impfstoffe sind Totimpfstoffe, dürfen also von Patienten, die Immunsuppressiva nehmen verwendet werden. Die Immunsuppression sollte zum Zeitpunkt der Impfung so gering wie möglich sein. Allerdings sollen Betroffene auf keinen Fall für die Impfung ihre Basistherapie absetzen oder verändern. Als Ausnahme gilt die Gabe von Substanzen, die langanhaltend wirksam die Immunantwort der B-Zellen stören, also Rituximab. Für Betroffene, die diesen Wirkstoff bekommen, sollte der Rheumatologe gemeinsam mit dem Betroffenen über eine Therapiepause oder eine Umstellung auf alternative Therapien erwägen oder einen mindestens 4- besser 6-monatigen Abstand zwischen Rituximab-Gabe und Impfung einhalten.

Immunsuppressiva (z.B. Kortison, Methotrexat, Biologika, JAK-Inhibitoren) sollten keinesfalls ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt abgesetzt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie warnt ausdrücklich vor dem eigenmächtigen Absetzen der Therapie. Eine aktive, unbehandelte entzündliche Rheumaerkrankung ist in der Regel gefährlicher für eine Ansteckung mit einer Viruserkrankung als ein mit immunsuppressiven Medikamenten gut eingestelltes entzündliches Rheuma. Würde nach dem Absetzen ein Schub erfolgen, könnte sogar eine Erhöhung der immunsuppressiven Therapie und insbesondere der Kortisondosis nötig werden, was das Immunsystem ungünstig beeinflusst.

Werden allergische Reaktionen verstärkt?

Laut den Einschätzungen des PEI (Paul-Ehrlich-Institut) ist auf Basis der derzeit vorliegenden Daten bei Impfung mit Comirnaty (BioNTech/Pfizer) oder Spikevax (Moderna) kein generell erhöhtes Risiko für schwerwiegende unerwünschte Wirkungen für Personen mit bekannten Erkrankungen aus dem atopisch-allergischen Formenkreis abzuleiten. Zum atopisch-allergischen Formenkreis zählen: Asthma bronchiale, Neurodermitis und allergischer Schnupfen mit Bindehautentzündung (Rhinokonjunktivitis) einschließlich Heuschnupfen und Hausstaubmilbenallergie sowie Nahrungsmittelallergien).

Sind Langzeitfolgen bei Impfungen bekannt?

Weder bei den bisherigen Studien noch bei den Impfungen wurden bisher gravierende Nebenwirkungen, also auch nicht solche, die jahrelang bleiben, festgestellt, da der mRNA-Impfstoff sehr schnell abgebaut wird und somit nicht über Jahre im Körper "schlummere".
Nach etwa nur 50 Stunden ist die mRNA nicht mehr im Körper nachweisbar. Der Impfstoff dient nämlich nur als Bauplan für ein Eiweiß, das auf der Oberfläche des Coronavirus vorkommt. Durch die Impfung werden Antikörper gebildet. So kann das Immunsystem das Virus bei einem späteren Kontakt erkennen und bekämpfen.

Wer hierzu Fragen hat kann diese über uns gern an Dr. Gehlen stellen. Wir leiten Ihre/Eure Fragen an Dr. Gehlen weiter.fnw-vortragbechterewde

 

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