Ankommen - Loslassen – Auftanken… | LV Bayern

…in einer gepflegten, grünen Oase. Weg vom täglichen Allerlei, drei Tage für mich. So sitze ich hier im sonnigen Innenhof und bin gespannt auf alte Bekannte und neue Gesichter, beim FrauenNetzWerktreffen in Bayern.
Man spürt das herzliche Willkommen. Nach dem gemeinsamen Abendessen und dem spontanen Erkundungsspaziergang mit einem Abstecher in die Eisdiele ist man längst beim entspannten „Du“ angekommen. Die Gespräche wechseln vom interessanten Kennenlernen über den Verlauf der Erkrankung bis hin zu Anekdoten aus vergangenen Veranstaltungen. Das gemeinsame Lachen ist ansteckend. „Mein Herz geht auf und ich bin dankbar, dass ich mich hier nicht verbiegen und verstellen muss“, so eine Teilnehmerin. Eine andere: „Man muss sich nicht erklären und ich war erleichtert, dass auch andere Teilnehmerinnen auf Hilfsmittel zurückgreifen“. So ging es mir auch, denn am Vormittag stand eine Stadtführung in der Kreisstadt Moosbach im Neckarodenwald an.
Jeder an Morbus Bechterew erkrankte, weiß um das schmerzliche „Stop and Go“ solcher Führungen. Aber weit gefehlt: Es war trotz Kopfsteinpflaster für Schatten und Sitzmöglichkeiten gesorgt und somit entspannt und innovativ.
Moosbach entstand um das Benediktinerkloster „Monasterium Mosabach“ und wir im 9. Jahrhundert erstmalig urkundlich erwähnt. Aus dieser geistlichen Keimzelle wurde im Falle der Stiftskirche wurde das Gotteshaus geteilt in eine katholische und eine reformierte Seite. Nach mehr als 300 Jahren wurde die über eine ein Meter dicke Mauer, die die ehemalige Stadtkirche in den katholischen und evangelischen Teil trennte, geöffnet, die bei besonderen, ökumenischen Ereignissen offensteht.

Nach so viel geschichtlichem und kulturellen Erlebten wurde das Eigentliche – nämlich die Kunst – in den Mittelpunkt unseres Aufenthaltes gestellt.
Am Nachmittag kam unsere Referentin Esther Ortolf zu uns. So manche von uns musste tief in der Vergangenheit graben, um auf Pinsel und Farbe zu stoßen. Die einen hatten sich in ihrer Kindheit daran versucht, andere mit den eigenen Kindern oder Enkeln gemalt. Kunstwerke hielten sich dabei in Grenzen. Ein skizzierter Eintrag im Gästebuch oder eine dekorative Glückwunschkarte, über mehr kamen wir alle nicht raus.
Das Ganze ist schon eine Herausforderung. Nicht nur die Größe der Leinwand, sondern auch die Pinselstärke und die Farbkombination sind passend zu wählen. Das größte Problem stellt aber tatsächlich das Motiv dar.
Mit viel Kompetenz und Geduld hat Esther es geschafft, dass wir alle stolz auf unsere Arbeiten sein können.
In den zwei Tagen erlebten wir auch, dass das Malen Einfluss auf unsere Gefühle, unsere Seele und das Erlebte hat. Dies wurde uns allen in der Bildbesprechung bewusst, die zum Abschluss des Seminars stattfand.
Mit der eigenen Kreativität konfrontiert, entdeckt man im wahrsten Sinne des Wortes, das eigene Innere. Beim Malen entstand eine Kommunikation mit sich selbst über das Medium Bild.
Hier einige Bildunterschriften: „Herbst des Lebens“, „Umgepflügte Erde – neuer Lebensabschnitt“, „Lebensfreude – Licht und Schatten“, „Grenzenlos der Realität entfliehen“, „Sehnsucht nach Ruhe und Geborgenheit“, „Seelisches Gleichgewicht in einer offenen Schale“.
Es war für alle eine intensive Erfahrung und Reise zu sich selbst und der Krankheitsbewältigung.
Wir haben sehr viel gesehen und erlebt. In einer fröhlichen und herzlichen Wohlfühlatmosphäre in einer wunderschönen Umgebung im Bildungshaus Neckarelz.

Ein herzliches Dankeschön an Esther Ortolf und Angelika Kreitmeier für die gelungene Gestaltung des Seminars.

 

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Die Kreativwerke konnten sich wirklich sehen lassen. Hier einige Exemplare.